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1908-2018 — 110 Jahre Veterinärmedizin

Anlässlich unseres 110. Gründungstages am 20. Juni durften wir auf der ehemaligen Veterinärmedizinischen Universität – nunmehr Universität für Musik und darstellende Kunst – hochkarätige Vortragende zum Thema Entwicklungen in der Veterinärmedizin begrüßen.

Prof. Dr. Gerhard Forstenpointner fokussierte in seinem Vortrag auf tubulente Jahre auf der Vet-Med. mit studentischen Unruhen. Hierfür gab es mehrere Ursachen: u.a. wurde die militärische Präsenz an der – damals militärisch geführten – Uni von den „zivilen“ Studenten abgelehnt, das Promotionsrecht wurde eingefordert und gab es bauliche und organisatorische Mängel im Universitätsbetrieb. Im Mai 1908 kam es zur Eskalation: nach Studentenprotesten, bei welchen die Studenten ein Protestmemorandum vorgelegt hatten und der Vorlesungsbetrieb entfallen ist, wurden die protestierenden Studenten schließlich durch Infanterie gewaltsam von der Uni entfernt. Stark ansteigenden Hörerzahlen und bauliche Mängel veranlassten Rektor Tschermak, Projekte für einen Universitätsneubau zu konzipieren. 1910 wurde ein Neubau auf der Schmelz angedacht. 1912 wurde ein Projekt im Bereich Flötzersteig / Maroltingergasse vorgestellt. Beide Neubauprojekte scheiterten am Widerstand des Finanzministeriums. Es sollte schließlich bis 1996 dauern, bis ein Universitätsneubau fertiggestellt war und die Übersiedlung vom Standort in Wien – Landstraße an den heutigen Standort in Wien – Floridsdorf abgeschlossen werden konnte.

Prof. Dr. Renate Edelhofer stellte in ihrem Vortrag die wissenschaftliche Arbeit im Vergleich gestern und heute gegenüber. Im Bereich der Parasitologie und Seuchenforschung wurden Forschungsprojekte in der Vergangenheit vielfach durch „Zufallsfunde“ bzw. zufällige Krankheitsbilder bei Nutztieren initiiert. Ausgehend davon wurde Ursachenforschung betrieben, Erkenntnisse in der darauf aufbauenden methodischen Herangehensweise gewonnen und letztlich ein Forschungsergebnis generiert. Die Methodiken waren einfacher und billiger (Mikroskop, Tierversuche, etc.). Heute beginnt Forschung in diesem Bereich mit der Formulierung von Forschungsfrage und der Definition von Projektabläufen und Forschungsprojekten. Die Methodiken finden mehr auf der zellularen / genetischen Ebene statt (Senologie, Gewebekulturen, etc.) und sind entsprechend aufwändiger und teurer geworden.

Bbr. Dr. Paul Ortner v. Smile berichtete über die tierärztliche Praxis und die Veränderung des Berufsbildes des Tierarztes in den letzten 30 Jahren am Beispiel Tirol. Während in den 1980er Jahren 90 aktive Tierärzte (davon 5 Frauen) mit Schwerpunkt Nutztiere mit Großtierpraxen in Tirol tätig waren, gibt es heute ca. 210 aktive Tierärzte (davon 95 Frauen) mit zahlreichen Kleintierpraxen mit Fokus auf Haustiere.  Während früher überwiegend Männer als Tierärzte tätig waren, gibt inzwischen österreichweit ca. 85% Tierärztinnen. Von den ca. 150 Studienabsolventen pro Jahr sind ebenso ca. 85% Frauen.