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Month April 2015

Europäische Agrarpolitik am Prüfstand

Der über den letzten Platz hinaus bis auf die Fensterbänke gefüllte Festsaal der Alten WU, heute einer der Standorte der Universität für Bodenkultur (BOKU), erinnerte am Montag Abend kurzzeitig an eine Schulklasse. Mehrmals forderte Franz Fehr die Anwesenden auf, per Handzeichen anzuzeigen ob sie an der BOKU inskribiert seien, welchem Studium sie nachgingen oder ob sie vergessen hätten, aufzuzeigen. Fehr hatte die Begrüßung für den verhinderten BOKU-Rektor Martin Gerzabek übernommen, der die rund 250 anwesenden Zuhörer herzlich grüßen ließ.

Europaabgeordnete Elisabeth Köstinger, Global 2000-Geschäftsführerin Leonore Gewessler und BOKU-Professor Klaus Salhofer diskutierten unter der Leitung von Universum Magazin-Chefredakteur Martin Kugler über Europäische Agrarförderung. Veranstaltet wurde die Podiumsdiskussion in der Reihe „ÖCV-Denkstöße“ von der Aktionsgemeinschaft BOKU, Arcadia und Rugia mit finanzieller Unterstützung des Österreichischen Cartellverbands.

„Komplexität erklärt sich aus Geschichte“
Um die Aufstellung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in ihrer Komplexität zu verstehen, müsse man berücksichtigen, wie sie sich historisch entwickelt habe, erklärte Klaus Salhofer, Agrarökonom am Institut für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung der BOKU in einem kurzen einführenden Vortrag: „Man kann sich das vorstellen wie bei Bahngleisen. Wenn man einmal falsch abgebogen ist, braucht es viele Weichenstellungen um wieder auf den richtigen Weg zu kommen.“ Optimierungspotential sehen auch Leonore Gewessler, die der GAP die Schulnote 4 ausstellt, und Elisabeth Köstinger, die eine solide 3 vergibt. Salhofer selbst ortet bei der ersten Säule, die eine Einkommenssicherung gewährleisten soll, eine Themenverfehlung. Die Entwicklung des ländlichen Raums, die das Ziel in Säule 2 darstellt, sei zielorientierter, wenngleich Greening nicht die richtige Methode sei, um Umweltschutz voranzutreiben.

GAP: zu wenig Geld kommt bei Bauern an                                              Köstinger war bemüht, den Wert von Lebensmitteln zu unterstreichen und zu zeigen, dass der Anteil der GAP am EU-Haushalt von 85 auf gerade noch 37 Prozent gesunken sei. „Dafür, dass es sich um den einzigen vollständig vergemeinschafteten Bereich handelt, ist das wenig“, sagte die Agrarvertreterin. Öffentliche Leistungen rechtfertigten öffentliche Gelder, meinte auch Gewessler. Sie kritisierte dennoch, dass es für die Bauern keine fairen Preise gäbe. Diese zu gewährleisten ist nicht einfach: Der Aufwand für einen Liter Milch auf einem Bergbauernhof ist ungleich höher als jener bei einem größeren Betrieb im Tal. Ungleich ist auch die Handhabung in der Vergabe der Förderung in den einzelnen Nationalstaaten, die da sehr viel Entscheidungsspielraum haben. Das führt dazu, dass etwa Prince Charles in den Genuss von Agrarförderungen in der Höhe von 300.000 bis 500.000 Euro pro Jahr komme, kritisierte Salhofer die Förderung von Landbesitzern anstelle von landwirtschaftlich Tätigen.

Österreich ist Bio-Europameister, Neuseeland ist Vorbild
Dass politische Intervention aber auch zielführend und erfolgreich sein kann, zeigt ausgerechnet Österreich als Europameister, was biologischen Anbau betrifft. „Rund 20 Prozent der Betriebe arbeiten biologisch, und das ist nicht Zufall, sondern so gewollt“, verkündete Köstinger sichtlich stolz. Ein anderes Erfolgsland verriet abschließend Klaus Salhofer: Neuseeland kommt praktisch ohne Agrarförderung aus und hat dennoch eine äußerst erfolgreiche und biologische Landwirtschaft.

 

Weitere Fotos von der Veranstaltung können unter folgendem Link angeschaut werden:

https://flic.kr/ps/31FxKN