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Month Januar 2015

Stellenwert von Religionen in der EU

Es bedurfte nicht einmal einer expliziten Verurteilung der Anschläge auf die Pariser Satirezeitung „Charlie Hebdo“, die der Diskussion über den Stellenwert von Religionen in der EU einen traurigen Aktualitätsbezug gab; man konnte die Ablehnung des Terrors zwischen den Zeilen herauslesen und spüren. Bemerkenswert war auch, dass die Diskussion beim 9. Europacorner zumeist sachlich verlief und keineswegs auf den Islam beschränkt war. Mit zwei Prozent Muslimen in der europäischen Bevölkerung wäre das wohl auch eine verfehlte Gewichtung.

Katholische Kirche in Europa

„Europa ist auf drei Hügeln erbaut: Golgota, der Akropolis und dem Kapitol“, eröffnete Florian Bauchinger (Rg, Am) sein einführendes Referat. Er ist Theologiestudent und Domführer in St. Stephan und brachte einige Fakten als Diskussionsgrundlage ein. Er berichtete etwa über die Europäische Bischofskonferenz COMECE, die in Brüssel lobbyiert. Besonders interessant für die katholische Kirche sind dabei etwa Fragen wie Lebensschutz oder allgemeiner die Umsetzung der christlichen Soziallehre.

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Florian Bauchinger (Rg, Am; mitte) führte an das Thema heran

Wirtschaft als einziger Wert?

Es herrsche ein Bedürfnis nach Orientierung und auch nach Werten, war eine Erkenntnis der Diskussion. Veganismus, Greenpeace oder Fußball seien „Ersatzreligionen“. An der EU wurde kritisiert, dass Wirtschaft zur Religion stilisiert werde und als einziger Maßstab für politisches Handeln diene.

Zwischen Pegida und Europäisierung des Islams

„Das ‚christliche Abendland‘ wird in jenen Gegenden besonders gefordert, in denen Glaube und Kirche am wenigsten verbreitet sind“, stellte Bauchinger fest. Grund genug, Pegida skeptisch zu beurteilen. Neben der Islamisierung Europas wurde auch eine „Europäisierung des Islams“ ins Spiel gebracht. Zwar herrschte Uneinigkeit unter den 15 Diskussionsteilnehmern darüber, was genau darunter zu verstehen sei. Dass Moslems in der EU aber vielfach von der europäischen Kultur mitgeprägt würden, sei aber naheliegend.

Die Teilnehmer der Debatte im Detail...

Die Teilnehmer der Debatte im Detail…

 

Religion ist Freiheitsfrage

Religion ist ein Freiheitsthema. Das geht von der persönlichen Wahrnehmung bis zur kollektiven Ausübung. „Verbote und übertriebene Gesetze fördern eher den Extremismus als dass sie positives bewirken“, sagt Bauchinger. Das beste Rezept sei Bildung, um Verständnis zu fördern.

Was Religionen wie auch das Zusammenleben insgesamt betrifft, müsse der Mensch wieder vermehrt in den Fokus stellen. „Wie sehen wir den Menschen? Diese Frage müssen wir uns stellen und danach unser Handeln ausrichten“, meinte der Vortragende abschließend.

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…und im Überblick